Das Wanderziel Tausender ist alljährlich die Sächsisch-Böhmische Schweiz oder das Elbsandsteingebirge, und wohl jedermann nimmt bei einer mehrtägigen Reise hierher auch das wildromantische Prebischtor mit in seinen Reiseplan auf. Ist doch dasselbe auch ein wahres Naturwunder, ein großartiges Kunstwerk des Schöpfers! Wie reich an Naturschönheiten ist der Weg von Herrnskretschen aus zu ihm hinauf! Er ist zwar steil, doch immer schattig, und so kann man auch zur Mittagszeit den Aufstieg zum Prebischtore auf dem bekannten Zickzackpfade getrost vornehmen und auch die Wanderung nach dem nahen Winterberge anschließen.

Der Wald spendet kühlenden Schatten. Vor einigen Jahrzehnten war der zum Prebischtore und Winterberge führende Pfad freilich noch sehr sonnig und schattenlos, da der einstige Waldbestand dieser ganzen Gegend durch einen vier Tage hindurch wütenden Brand vernichtet worden war. –

Es war im Jahre 1842, das sich wie die Jahre 1890 und 1904 durch große Brände auszeichnete. Aus den verschiedensten Gegenden liefen Nachrichten ein über furchtbare Brände, die hier und dort gewütet und Städte und Dörfer, sowie ganze Wälder in Aschehaufen verwandelt hatten. In diesem verhängnisvollen Jahre sollte auch der herrlichste Forst in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz ein Raub der Flammen werden. –

Am Nachmittage des 31. August 1842 wurde unten im Prebischgrunde, unweit des Prebischtores, auf der dem Fürsten Clary von Aldringen zu Teplitz gehörigen Herrschaft Biensdorf auf Stumsdorfer oder Stimmersdorfer Reviere ein verdächtiger Rauch bemerkt. Aus noch nicht aufgeklärter Ursache waren die auf dem Waldboden liegenden Nadeln und dürren Aeste in Brand geraten. Das Feuer griff schnell um sich. Die Flammen liefen auf dem völlig ausgetrocknetem Waldmoose weiter, ergriffen auch Bäume, und bald wogten die Feuerflammen mit Riesenschritten vorwärts und erreichten auch den angrenzenden Herrnskretschener Forst. Nun blies auch noch der Wind heftig in das wütende Feuermeer und trieb die Flammen aufwärts bis zu den höchsten Felsenrücken.

Es brannten jetzt nur Moos, Heide und junger Anflug, nein, die Flammen züngelten auch zu den Wipfeln der harzigen Baumriesen empor. Das Prebischtor, der bewunderungswürdige und riesige Felsenaltar, war jetzt von knisternden und prasselnden Flammen förmlich umglüht. Das Moos der Prebischtorfelsen brannte, und die Feuerzungen leckten an der Holzbrüstung, welche die Prebischtordecke einfaßt. Das zwischen zwei koulissenartig vortretenden Felsenwänden so malerisch erbaute Gasthaus, das dem Fremden einen gar angenehmen Aufenthalt gewährt, kam jetzt in die größte Gefahr.

Da zog ein heftiges Gewitter herauf, und der Wind sprang plötzlich um. Er wandte sich von Südost nach Nordwest und trieb nunmehr die Flammen in die Felsenschluchten, so daß dadurch das Gasthaus augenblicklich außer Gefahr war. Das Feuer bekam aber neue Nahrung, und der furchtbare Brand wälzte sich weiter, immer weiter. In den Felsenspalten und Ritzen züngelten die Flammen empor, erreichten den Schäferstein, den Musensitz böhmischer Harfner, und rasten nun auf dem Bergrücken weiter, dem großen Winterberge zu.

Gegen sechs Uhr nachmittags wütete der Brand am furchtbarsten, und das Feuermeer wogte jetzt auch auf sächsischem Gebiete. Einem Lavastrome gleich wälzten die rasenden Flammen in stürmender Eile sich durch den Mittelndorfer Forst. Glühende Rauchwolken wirbelten empor und verkündeten weithin das furchtbare Ereignis. Bergaufwärts und bergabwärts, rechts und links bahnten sich die Flammen ihren Weg, liefen pfeilschnell am dürren Moose der Bäume empor bis in deren Wipfel. Besonders aber boten die jungen Pflanzungen, die sogenannten Kulturen, den züngelnden Flammen passende Nahrung. So wogte über dem zarten Waldbestande ein furchtbares Feuermeer, das alles zu verwüsten drohte.

Auf dem Prebischtore waren an diesem Tage gerade viele Touristen anwesend. Der wackere Wirt Schlegel aus Herrnskretschen bot alles auf, das bedrohte Gasthaus zu retten und seine Habseligkeiten möglichst in Sicherheit zu bringen. Alle Anwesenden, zumeist Deutsche, leisteten hilfreiche Hand. Sie halfen redlich, und jedermann zeigte mitten in der wachsenden Gefahr Mut und Entschlossenheit, denn die Gefahr fürs Haus wuchs noch einmal. Die Hitze mehrte sich, der Glutrauch wälzte sich um das Riesentor, und alle waren zu einem schnellen Rückzuge gezwungen. Hätte der Wind sich gedreht, dann wären die Fliehenden ein Raub der wütenden Flammen geworden, die Zurückbleibenden aber dem Erstickungstode preisgegeben gewesen.

Zum Glück behielt der Wind seine ursprüngliche Richtung, und der Rückzug glückte, freilich war er immerhin gefahrvoll. Es herrschte infolge des Brandes eine so furchtbare Hitze, daß manche dem Verschmachten nahe waren. Wasser gab es ja ringsum nicht. Trotz der großen Gefahr kam von allen Seiten Hilfe.

Böhmische Forstbeamte leiteten am Prebischtore die Rettungsarbeiten. Auch aus dem an der Elbe in Sachsen liegenden Dorfe Schmilka eilten eine große Anzahl Retter mit Haken, Schaufeln und Aexten herbei, doch konnten sie wegen des wachsenden Feuermeeres nicht bis zum Prebischtore vordringen. Sie wurden zur Umkehr gezwungen und wandten sich nun nach dem großen Winterberge, wo ihre Hilfe auch gar nötig war. Dort hatten die Flammen beinahe den Gipfel des Berges erreicht und umzüngelten bereits die daselbst erst kurze Zeit vorher erbaute Restauration.

Allein die schnell herbeigeeilten sächsischen Forstbeamten, ferner die Holzschläger, die Fremden mit den Führern, die Landleute und der Gastwirt Büttner vereinten sich zur gemeinschaftlichen Rettung des Hauses. Den Wackeren schlossen sich später auch die aus Schmilka Kommenden bereitwilligst an. Die Wege wurden von Aesten und Nadeln gereinigt. Gräben wurden gezogen. Nun kam die Nacht. Zum Glück hatte sich die Glut mehr in die Schluchten gezogen, und das Gasthaus auf dem Gipfel des Winterberges, das noch heute freundlich in das Land hineingrüßt, war info

Ein schauriges, aber ein großartiges Bild bot die Umgegend von hier oben aus! Mitten aus dem Feuermeer ragten geisterhaft die gespenstisch beleuchteten Felsmassen empor. Ueber dem Glutstrome des brennenden Mooses und der brennenden Heide brannten die harzigen Aeste der Fichten und Kiefern, gleich tausenden von Laternen oder riesengroßen Christbäumen. Wie Höllenrachen leuchteten die Felsenschluchten.

Während der Nacht schienen die Flammen in die Schluchten sich zu verirren, ließen in ihrem Zorne etwas nach und erleichterten somit die wieder aufgenommenen Rettungsarbeiten. Von allen Seiten her nahte jetzt die tätigste Hilfe; aus den Nachbargemeinden eilten viele Retter herbei. Die Gräben wurden breiter und tiefer gezogen, um dem sich immer weiter vorwärtsdrängenden Moos- und Heidebrande rechtzeitig vorzubeugen. Das geschah oft nicht ohne die größte Lebensgefahr, doch niemand scheute zurück. Es schien fast, als sei das Feuer über die tätigen Retter erzürnt; denn es übersprang oft wie zum Hohne die gezogenen Gräben, um drüben dann das begonnene Zerstörungswerk fortzusetzen.

Die Rettenden mußten wiederholt dem Feuer einen großen Vorsprung abgewinnen, um dann von neuem Gräben zu ziehen und Erdwälle aufzuwerfen. Von Stunde zu Stunde mehrte sich die Zahl der Retter. Militär kam an. Aus Tharandt eilten die Studenten der Forstakademie herbei und traten freudig in die Reihen der Arbeiter. Die Rettungsarbeiten wurden von dem Kgl. Forstmeister und von den aus Dresden und Tharandt angekommenen Forstbeamten geleitet.

Und endlich sollte das wütende Feuer gezähmt und bezwungen werden. Am 3. September erlosch der furchtbare Waldbrand. Nun ließ sich auch der entstandene Schaden schätzen. Auf sächsischer Seite war derselbe am größten. Hier hatten die Flammen besonders junge und kräftige Kulturen zerstört, während auf böhmischer Seite mehr der Hochwald gelitten hatte. Die verkohlten und astlosen Bäume boten einen traurigen Anblick.

Die Brandstätte erinnerte noch nach Jahren den Wanderer an den großen Waldbrand. Doch jene einst verwüsteten Waldflächen sind längst wieder bepflanzt worden. Kräftiger, junger Wald spendet dem Wanderer wieder wie vordem kühlenden Schatten. Die unzugänglichen Felsengrate und die Felsenwände und Schluchten sind von neuem Anfluge auch wieder überzogen worden.

 

Autor: Friedrich Bernhard Störzner
Titel: Der große Waldbrand in der Sächsisch-Böhmischen Schweiz im Jahre 1842
aus: Was die Heimat erzählt*. Sagen, geschichtliche Bilder und denkwürdige Begebenheiten aus Sachsen, S. 338–348
Erscheinungsdatum: 1904
Verlag: Arwed Strauch
Erscheinungsort: Leipzig
Quelle: SLUB Dresden und Wikimedia Commons

Wie in der Familie, so giebt es auch in der Natur Aschenbrödel. Als solch ein armes, zurückgesetztes Wesen erscheint mir immer das alte romantische Schloß Hohnstein, das von steilem Felsen in die reichste Landschaft sieht, zu Füßen stille Wälder, anmuthige Thäler, kleine Gebirgswässer und wunderlich geformte Steinmassen, die sich, Geschiebe und Schichten bildend, in langen Ketten dahinziehen, oder losgelöst umherliegen, die Häupter geschmückt mit saftgrünem weichen Moos und dem graziösen Farrenkraut. Die Einsamkeit, die auf dem Ganzen ruht, theilt es mit all jenen Gegenden, die seitab von der Heerstraße liegen, und erhöht dadurch das Interesse des Touristen, der sein Ziel nicht in einer zerstreuungssüchtigen Menge sucht, sondern in einer Umgebung, die von jener noch möglichst unentweiht blieb.

Mit der Eisenbahn oder dem Dampfschiff erreichen wir Rathen, das unmittelbar an der Elbe liegt. Man blickt von dort auf den nahen Lilienstein, dessen großartige Umrisse das Vorurtheil arg beschämen, als müsse der sogenannten sächsischen Schweiz, gegenüber der wirklichen, durchaus der Stempel des Kleinlichen und Niedlichen aufgedrückt sein. Allerdings ist dieser Zuname wenig glücklich gewählt, und die alte Bezeichnung „Meißner Hochland“ oder „Elbgebirge“ wäre vorzuziehen, da sie weder zu Vergleichen noch Enttäuschungen herausfordert, namentlich bei Denen, die hier Gletscher oder Edelweiß suchen, und wohl am liebsten mit Gebirgsstock und Steigeisen kommen möchten. Ehe wir Rathen verlassen, sei noch auf dessen malerische Gebirgshäuschen aufmerksam gemacht, von denen viele wie Schwalbennester an der Thalwand kleben. Wegen der alljährlich eintretenden Elbüberschwemmungen haben sie nicht selten einen Rettungskahn, der zum Hausmöbel gehört.

Der schönste Weg nach Hohnstein führt durch den „Buttermilchgrund“ und ist bequem, jedoch für den Fremden nicht ohne Führer, in zwei Stunden zu erreichen. Auf der höchsten Spitze des Felsens liegt das von drei Seiten mit Abgründen umgebene Schloß, welches durch eine steinerne Brücke mit der Stadt zusammenhängt und sich in das alte und neue theilt. Sein Ursprung greift in die ältesten Zeiten der Geschichte Sachsens zurück. Böhmische Herren von Cluhmen, Clomen oder Lohmen waren angeblich die ältesten Besitzer der Pflege von Hohenstein. Historisch gewiß ist, daß gegen 1330 die böhmischen Birken oder Berken von der Duba hier residirten, welche schon in Urkunden des zwölften Jahrhunderts vorkommen. Lateinisch wurden sie „Barones de quercu“ genannt, weil Duba soviel als Eiche heißen soll, weshalb sie auch in ihrem Wappen zwei kreuzweis übereinandergelegte schwarze Eichenäste mit fünf Zacken führten, wie noch über einem innern Thor des Schlosses zu sehen. Gleich den Burggrafen von Dohna trieben auch die Duba viel „Plackereien“, das heißt, sie pflegten neben andern ritterlichen Anmaßungen vorzüglich das Raubwesen, und hielten es mit den Hussiten, was den in Stolpen residirenden meißnischen Bischof, Johann den Vierten, derart empörte, daß nach unendlichen Kämpfen Hohnstein endlich unter meißnische Hoheit kam. Friedrich der Sanftmüthige nahm es 1444 ein, „damit die Fürsten zu Sachsen des Gebirgs vom Böhmerwalde besser mächtig werden könnten.“

Nach dem Tode des Letzten von der Duba kam Hohnstein am Ende des fünfzehnten Jahrhunderts an Herzog Albrecht zu Sachsen, der es 1480 seinem Marschall Heinrich von Schleinitz schenke, dessen Söhne es einem von Schönburg überließen, bis es 1543 an Herzog Moritz von Sachsen fiel, seit welcher Zeit es beständig dem Kurhause gehörte. Im dreißigjährigen Kriege berannten es vergeblich die Kaiserlichen, wie die Schweden. Mehrmals wurde es vom Feuer, wenn auch nur theilweis, zerstört, zuletzt 1604 durch den Blitz, wobei der älteste Theil des Schlosses nebst allen Urkunden völlig zerstört wurde. Auf diesen Trümmern wurden in neuester Zeit eine Kirche im Anschluß an die Reste der alten, sowie ein großes dreistöckiges Gebäude nebst Aussichtsthurm aufgeführt, nachdem das ganze Schloß, bis 1860 Sitz eines Gerichtsamtes, 1858 für eine Männer-Corrections-Anstalt hergerichtet wurde, wodurch allerdings vielfache Umgestaltungen nöthig wurden, die leider manche alterthümliche Ueberreste verdrängten. Jedoch ist man hiebei mit möglichster Schonung verfahren, wie der noch ziemlich unversehrt gebliebene gothische Chor der früheren St. Annacapelle bezeugt. Der Zweck der Anstalt ist, die sittliche Besserung solcher Leute anzustreben, die sich durch die geordneten Polizeistrafen von ihrer unregelmäßigen Lebensweise nicht abbringen ließen, und dieser Zweck wird ebenso umsichtig als energisch und human verfolgt.

Hohnstein ward sonst, gleich dem Königstein, als Staatsgefängniß benutzt, woher sich noch das bekannte: „Wer da kommt nach dem Hohenstein, der kommt selten wieder heim“ im Volksmunde fortgepflanzt hat. So drohte zum Beispiel der Bürgermeister Rauscher in Leipzig dem bekannten Dr. Peucer, als er, des Kryptocalvinismus verdächtig, auf der Pleißenburg saß, man werde ihn, wenn er seinen Sinn nicht ändere, „nach Hohnstein führen und ihn da in einem unterirdischen Gefängnisse und finsteren Loche durch Gestank, Unflath und giftiges Gewürm elendiglich umkommen lassen.“ Ueberhaupt saßen hier mehrere in der Kirchengeschichte denkwürdige Gelehrte, wie der bekannte Gegner Luther’s, Hieronymus Emser, der berüchtigte Wittenberger Professor Joh. Mayor, und der in der Geschichte des dreißigjährigen Krieges bekannte Dr. Craz. Auch verwahrte man hier viele Edelleute, darunter den bekannten Baron Klettenberg, dessen Gefängniß, ein finsteres feuchtes Loch, in dem der Gefangene bald den Scorbut bekam, nur für die schwersten Verbrecher bestimmt war. Zuletzt saß hier der Mörder Hahn, an dem (wenn wir nicht irren, 1770) die letzte Tortur vollzogen wurde.

Der von einer steilen Felswand hinter’m Schlosse und Mauerresten gebildete große Raum heißt jetzt noch der Bärenzwinger und ward als solcher 1609 feierlich eingeweiht. Fast hundertundfünfzig Jahre pflanzten sich hier Bären fort, wurden aber 1756 alle erschossen, da sie nicht selten die Mauern überkletterten und die Umgegend unsicher machten. (In diesem Bärenzwinger sehen wir auf unserem Mittelbilde, das vom gegenüberliegenden Felsen, dem „Großkäs“, aufgenommen ist, die ganze Breitseite des Schlosses mit dem neuesten und alten Theil. Das Gebäude in der gesonderten Abtheilung links, mit dem Thurm, das so kühn in die Luft hinausragt, hängt achtunddreißig Ellen über dem Loth.) Unter jenen Bären befand sich auch des Kurfürsten Friedrich August des Ersten bekannter Liebling, der zur Strafe hierher geschickt worden war, weil er sich thätlich an seinem fürstlichen Herrn vergriffen, der ihn geneckt hatte. Doch sollte Freund Petz nicht hier seine Tage beschließen, sondern im nahen Sedlitz bei einem Thiergefechte enden, wo er von einem Auerochsen an die Wand gespießt wurde, nachdem er noch vorher einem andern die Hörner nebst dem Hirnschädel abgerissen hatte. So berichten uns Merkel und Engelhardt.

Von Hohnstein nach Westen steht der gegen sechshundert Fuß hohe Hockstein mit seiner berühmten Wolfsschlucht und Teufelsbrücke. Durch eine fünf Fuß hohe und drei Fuß breite Höhle (Wolfsschlucht genannt) gelangt man auf die Oberfläche des Felsens, die über vierhundert Schritte im Umfang hat. Die Schlucht wird, je höher, desto enger. Das Licht fällt immer sparsamer ein, bis endlich ein von der Natur gebildetes Portal auf einen von drei Seiten mit Felsen umgebenen Platz führt, von welchem man noch ein ziemliches Stück steigen muß, ehe man den höchsten freien Gipfel des Hocksteins erreicht. Stufen, große Falze, Ueberreste eiserner Haken an der Spitze eines vorspringenden Felsenhorns lassen keinen Zweifel, daß der Hockstein einst bewohnt und befestigt war und mit dem nahen, nur durch das Polenzthal getrennten Hohnstein in Verbindung stand. Tief unten im Thale geht noch die alte malerische Mühle wie vor hundert Jahren, nur mit dem Unterschied, daß hier kein Lachsstechen mehr abgehalten wird, wie noch zu jener Zeit, als der Amtsfischpachter alle Jahre fünfzig Lachse in den Mühlgraben liefern mußte, wo man sie, wenn sie „abgestrichen“ hatten, entweder wieder fortließ oder mit großen vierzackigen Gabeln herausstach.

Der interessanteste Rückweg von Hohnstein, der nach der Festung Königstein oder direct nach Rathen führt, ist der „neue Weg“, noch immer so genannt, obwohl er bereits 1665 angelegt wurde. Nirgends sind die Felsen, umklammert von den Wurzeln himmelanstrebender Fichten und Tannen, so sonderbar gestaltet, nirgends treten sie so eng zusammen und scheinen über uns hereinzustürzen, wie hier. Endlich empfängt uns ein weites schönes Thal, aus dem, wieder bergaufsteigend zwischen Farren, Moosen und Haidekraut, ein vielfach gewundener Pfad, „Indianerpfad“ genannt, auf die jenseitigen Höhen führt, von denen wir unmittelbar den Heimweg antreten. In seiner ganzen Majestät steigt wieder der Lilienstein mit den ihn umgebenden ähnlich gestalteten Felsen vor uns auf, die wie riesige Wurzelstöcke aus der Erde ragen und sich mit ihren ernsten Formen wie Schattengeister von dem abendlichen Himmel abheben.

 

Autor: H. Kg.
Titel: Schloß Hohnstein in der sächsischen Schweiz
Quelle: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 359–362
Herausgeber: Ernst Keil
Erscheinungsdatum: 1873

¾ Stunde von Königstein, hart am rechten Elbufer gelegen, ein alter Rittersitz, dem bis hierher auch die Gerichtsbarkeit über die Dörfer Waltersdorf, Porschdorf, Altendorf und Wendischfähre zustand. Die Schriftsässigkeit erhielt das Gut erst im Jahre 1691.

Dieses Prossen besass einst der Bruder des Pegauer Abtes Thammo, welcher hier seine Tage beschloss. Nur vom Jahre 1263 bis 1266 hatte derselbe dem Kloster Pegau vorgestanden. – Die spätere Geschichte vom Rittergute Prossen ist dunkel und unvollständig. Erst vom 16. Jahrhundert an kommt wieder eine sichere Kunde vor.

Im Jahre 1520 besass dasselbe Christoph Brill, von welchem es an die Herren von Parzifall kam, die es noch im Jahre 1600 besassen. Im Jahre 1559 mussten die Gebrüder Melchior und Georg von Parzifall als Besitzer von Prossen für immer auf die Sau- und Rehjagd Verzicht leisten.

Im Jahre 1615 waren im Besitze von Prossen die Rahnitzsch, die es 1630 an Rudolph von Bünau verkauften, der es seinem Sohne Rudolph im Jahre 1654 hinterliess. Von Letzterem erkaufte es im Jahre 1688 Caspar von Schönberg auf Purschenstein, welcher es im Jahre 1690 an Johann Leon von Lüttichau überliess. Schon im Jahre 1696 war Johann Rudolph Graf von Prössnig im Besitze desselben, von diesem kaufte es Hannibal von Lüttichau zu Ulbersdorf, bei dessen Nachkommen es noch im Jahre 1786 war. Im 19. Jahrhundert kam die Besitzung an die Herren von Oppel, von welchen es der Amtshauptmann zu Borna, Herr Friedrich Wilhelm von Oppel zuletzt besass.

Prossen ist bekannt durch den sogenannten Prossener Mann, der im Jahre 1785 hier lebte und um die Zeit des siebenjährigen Krieges als ein Prophet galt. Er hiess Christian Häring, war früher in seinem Geburtsorte Postelwitz Fischer und zog um’s Jahr 1746 nach Prossen. Er hatte in seiner Jugend kaum Lesen und Schreiben gelernt und war in allen übrigen Kenntnissen, besonders in der Geographie und Politik ganz zurückgeblieben; und doch stand derselbe in dem Wahne, in späteren Jahren die bedeutendsten Wendungen der Welthändel, besonders in Bezug auf Sachsen vorauszusehen. Er wurde, wie er behauptete, dergestalt vom Geiste der Zukunft angetrieben, dass er nicht eher Ruhe in seinem Kopfe fand, bis er sein Herz höheren Orts ausgeschüttet hatte. Eine solche Ausschüttung erfolgte zum ersten Mal vor dem Ausbruche des Krieges 1744 und dann häufiger vor und nach dem siebenjährigen Kriege. Er fand, begünstigt von den damaligen Ministern, Eingang und hielt sich oft Wochen lang in Dresden auf.

Er war nichts weniger als absichtlicher Betrüger, sondern blosser Schwärmer, denn er behauptete, künftige Schlachten in Prospecten zu sehen, warnende Stimmen zu hören und eine schweigende Unruhe im Innern zu empfinden. Seine Vorhersagungen scheinen wenig eingetroffen zu sein, wiewohl man meinte, er habe die Kesselsdorfer Schlacht, den Finkenfang, die Belagerung Dresdens u. s. w. lange vorher gesagt.

Jetzt besitzt Prossen Herr Friedrich Brockhaus aus Leipzig. Zum Rittergute gehören eine Ziegelei und zwei Schäfereien, die eine auf der Prossener Folge, die andere die Sellnitz genannt, in der Richtung vom Dorfe zum Lilienstein, am Fusse des letzteren gelegen. Die Schäferei auf der Folge und die Mühle sind nach Porschdorf, das übrige Dorf ist seit 1837 nach Waltersdorf eingeschult. Die Sellnitz, von den Wenden erbaut, mag wohl das älteste Dorf in hiesiger Gegend gewesen sein. Seit der Zerstörung desselben durch die Kroaten im dreissigjährigen Kriege, wahrscheinlich 1633, steht hier ausser der Schäferei nur noch ein zum Gemeindebezirk Waltersdorf geschlagenes Haus. Die südlich von Prossen gelegene und jetzt zu ihm gehörige Elbinsel ist ein Stück der Königsteiner Communwaldung, welches der Fluss von ihm losgerissen hat. Von Prossen sieht man, wie die Abbildung deutlich darthut, den König- und den Lilienstein und das Ganze bietet eine herrliche Landschaft.

Prossen ist nach Königstein eingekircht. Die ganze Parochie besteht bekanntlich aus 16 Ortschaften, von welchen 10, nämlich Königstein, Gorisch, Pfaffendorf, Hütten, Elbe, Strand, Nikolsdorf, Thürmsdorf, Weissig und Oberrathen auf dem linken, 6, nämlich Halbstadt, Ebenheit, Niederrathen, Waltersdorf, Porschdorf und Prossen auf dem rechten Elbufer liegen.

Rittergut Prossen.

Rittergut Prossen.. Quelle: http://digital.slub-dresden.de/id25027793X

Von den der Gerichtsbarkeit Prossen unterworfen gewesenen Dörfern ist Porschdorf an dem vereinten Lachs- und Polenzbache, bekannt durch den dasigen Lachsfang, welcher früher viel bedeutender war als jetzt.

Die Lachse gehen wegen des süssern Wassers aus der Elbe in diesen Lachsbach, streichen darinnen ab, setzen den Saamen zu Lachsforellen an und steigen zuweilen bis Hohnstein oder bis Sebnitz hinauf. Dieser Lachsfang auf der mit der Sebnitz zum Lachsbache vereinigten Polenz war schon zu Albins Zeiten so ergiebig, dass oft in einem Jahre an 300 Lachse gefangen wurden. In der bekannten Grenzbezeichnung zwischen Böhmen und Sachsen vom Jahre 1228 heisst die Polenz der Fluss Poliza. In der Folge wurde darauf auch Holz geflösst, welche Flösse im Jahre 1730 bis 1740 wieder einging. Ferner der Ort:

Wendischfähre liegt am Wege von Schandau nach Hohenstein beim Einfluss des Lachsbachs in die Elbe, also auf deren rechtem Ufer. Der Ort hat seinen Namen von der hier angelegten Fähre erhalten, mittelst welcher die Lausitzer Wenden zu dem Gnadenbilde in der Papstdorfer Kapelle wallfahrteten.

Altendorf ferner hatte in früheren Zeiten seine besonderen Besitzer; denn im Jahre 1589 wurde Hans von Parzifall mit Altendorf beliehen. Im Jahre 1621 kaufte es Hans Ranitzsch auf Prossen, von welcher Zeit an der Ort bei Prossen geblieben ist, sowie auch Waltersdorf bisher unter die Gerichtsbarkeit von Prossen gehörte.

Waltersdorf liegt 1¼ Stunde vom Königstein, östlich vom Lilienstein, westlich von dem an Schönheit der Aussicht mit der Bastei fast gleich zu stellenden Brande, südlich von Ziegenrück, über welchen ein steiler Felsenweg nach Hohenstein und Stolpen führt. Bemerkenswerth ist auch hier das neue, erst im Jahre 1830 vollendete schöne Schulhaus, welches jetzt von 39 Waltersdorfer und 17 Prossener Kindern, 26 Knaben und 30 Mädchen besucht wird.

Vor einigen Jahren wurde der Vorschlag gemacht, dass Walthersdorf zum Kirchorte erhoben und das Königsteiner Diaconat als Pastorat dahin versetzt werden möchte. Bis jetzt ist dieser Vorschlag noch nicht zur Verwirklichung gebracht worden; allein es durfte wohl solcher noch festgehalten und als vortheilhaft betrachtet werden. Prossen hat 16 Feuerstätten, 1 Gartengut, dessen Besitzer Lehnsmann der Königsteiner Kirche ist, eine neue schöne Mühle am Lachsbache und 14 von Steinbrechern und Schiffern bewohnte Häuser. Prossen gehört jetzt zum Gerichtsamte Schandau, zum Bezirksgericht Pirna, zur Amtshauptmannschaft letzterer Stadt.

 

Autor: M. G.
Titel: Prossen
Quelle Meissner Kreis, in: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. Band 2, Seite 149–150
Herausgeber: Gustav Adolf Poenicke
Erscheinungsdatum: 1856
M. G.

Oberhalb Königstein, gegenüber des Liliensteines, liegen das Dampfsägewerk, die Holz-Handlung und die Goldleistenfabrik der unter der Firma Gebr. Hering in Königstein bestehenden Handelsgesellschaft.

Dieses Etablissement wurde im Jahre 1866 durch den ältesten Bruder der jetzigen Inhaber, Johann Gottfried Hering, und zwar zuerst mit einem Werke von sechs Vollgattern errichtet, das Holz- und Flößerei-Geschäft bestand schon seit 1839, in welcher Zeit der Vater der Gebr. Hering, Johann Gottfried Hering, dasselbe gründete und allmählich in größerem Umfange betrieb. Bei seinem im Jahre 1859 erfolgten Tode übernahm der älteste Sohn Johann Gottfried im Alter von 21 Jahren das Geschäft, während er später die indessen herangewachsenen Brüder Wilhelm, Hermann, Heinrich und Gustav als Mitinhaber der Firma J. G. Hering aufnahm.

Durch das zielbewußte Zusammenarbeiten der Brüder wuchs das Geschäft immer mehr heran und wurde durch viele Bauten, sowie durch Vermehrung der Vollgatter auf die jetzige Zahl vergrößert, außerdem wurde auf Grund eines längeren Pachtvertrages mit der fürstlich Stollwerkschen Kammer in Wernigerode a. Harz, die Produktion der fürstlichen Forsten an die Gebr. Hering überlassen; zur rationellen Ausnutzung der dort gewonnenen Rundhölzer vergrößerten die Gebr. Hering die bereits vorhandenen Mühlen derart, daß dieselben dem Königsteiner Etablissement an Größe und Leistungsfähigkeit gleichkommen.

Dieses Werk wird unter der Firma J. G. Hering & Co. von dem jüngsten Bruder Gustav dort geleitet. Der älteste Bruder Johann Gottfried trat im Jahre 1880 aus der Firma J. G. Hering aus und überließ das Geschäft in Königstein seinen Brüdern, die es unter der Firma Gebr. Hering weiterführten.

Das ganze Jahr hindurch gewahrt man auf diesem Etablissement eine rege Thätigkeit, welche von dem bedeutenden Umsatze desselben Zeugnis gibt. Es liegt zwischen der Königl. sächs. Staatseisenbahn und der Elbe und ist auf der Bahnseite durch ein Schienengleis mit der Königl. sächs. Staatsbahn verbunden.

Das Sägewerk besteht aus 15 Vollgattern, 1 Horizontalgatter, vielen Kreissägen und Holzbearbeitungsmaschinen, sowie der Fabrik von rohen Holzleisten, Hobeldielen etc., nebst einem Trockenhaus zum künstlichen Trocknen der Bretter und die Anlage für die elektrische Beleuchtung des Sägewerkes. Es wird durch zwei Dampfmaschinen von 275 Pferdekräften und zwei Lokomobilen von 40 Pferdekräften in Betrieb gesetzt. Von den Lokomobilen dient die eine zum Aufziehen der rohen Stämme aus dem Wasser, die andere zum Aufziehen der Stämme auf die Lagerräume.

Das Werk ist von zahlreichen Schienenwegen zur Fortschaffung der fertigen Waren auf die Lagerplätze, nach den Verladeplätzen, zur Bahn und zum Wasser durchkreuzt. Es werden Rundhölzer zu Kantholz und Bretter geschnitten und beträgt der jährliche Einschnitt von Rohholz ca. 60 000 Festmeter. Hierbei sind das ganze Jahr hindurch 250 Arbeiter beschäftigt und zeichnet sich das Etablissement besonders durch einen alten Stamm von Arbeitern aus, so daß es schon mehreremale Gelegenheit hatte, 25- und 30-jährige Jubiläen ihrer Arbeiter zu feiern, wobei auch einer durch Verleihung der silbernen Medaille für Fleiß und Treue in der Arbeit und drei andere durch Ehrendiplome ausgezeichnet wurden.

Der Absatz der Erzeugnisse erstreckt sich über das Königreich Sachsen, Provinz Sachsen und Hannover und wird derselbe durch die Königl. sächs. Staatseisenbahn und durch den Wasserverkehr vermittelt. Den Wasserverkehr bestreiten fünf eigene größere Fahrzeuge und zahlreiche selbstgebaute große Flöße, sogenannte Prahmen, welche aus Gruben- und anderem Rundholze gebaut werden und Bretter, sowie anderes Schnittmaterial als Oberladung erhalten; auch der Bahnverkehr gestaltet sich sehr lebhaft und erreicht die Zahl der ankommenden und abgehenden Lowries circa 2500 bis 3000 das Jahr.

Die Goldleistenfabrik wurde im Jahre 1881 im Verein mit dem verstorbenen Hof-Vergolder L. Wellhofer von den Inhabern der Firma Gebr. Hering gegründet und beschäftigt sich ausschließlich nur mit der Herstellung des besten Fabrikates von Gold- und Politurleisten zu Bilder- und Spiegel-Rahmen von den einfachsten bis zu den reichverziertesten Arten. Nach dem Tode des Herrn Louis Wellhöfer im Jahre 1886 übernahm die Firma Gebr. Hering das Geschäft für alleinige Rechnung.

Die Goldleistenfabrik beschäftigt das ganze Jahr hindurch 70 Arbeiter, ihre Erzeugnisse sind über den europäischen Kontinent, sowie die anderen Weltteile verbreitet, hauptsächlich aber in Deutschland, Österreich, Holland, Schweiz, Frankreich, Spanien, Ostindien, Australien und Süd­-Amerika. Das Fabrikat reiht sich an die besten Erzeugnisse dieser Branche in Deutschland an.

An Auszeichnungen erhielt die Fabrik auf der Ausstellung in Melbourne (Australien) den ersten Preis und in Barcelona (Spanien) die bronzene Medaille, und hat gegenwärtig noch auf der Chicagoer Weltausstellung eine reiche Kollektion ihres Fabrikates ausgestellt.

 

Titel: Gebr. Hering, Königstein a. d. Elbe, Dampfsägewerke und Holzhandlung. Goldleistenfabrik
Quelle: Die Groß-Industrie des Königreichs Sachsen in Wort und Bild. Zweiter Teil
Herausgeber: Eckert & Pflug, Kunstverlag
Erscheinungsdatum: 1893
Verfallen: Von Schwalbe 2 wird heute nur noch ein Stollen vom Schützenverein genutzt. Der Rest ist verfallen.

Verfallen: Von Schwalbe 2 wird heute nur noch ein Stollen vom Schützenverein genutzt. Der Rest ist verfallen.

Im Sommer 1943 wurde im ehemaligen Steinbruch Kirchleite bei Strand mit Felssicherungsmaßnahmen begonnen. Zuständig war die Organisation Todt (OT), eine paramilitärische Bautruppe des NS-Staates. Die Anwohner erfuhren nur wenig von den Hintergründen. So hieß es, dass hier eine Nudelfabrik errichtet werden solle.

Zur selben Zeit wurden Kriegsgefangene im Mittelgasthof Struppen einquartiert. Diese begannen mit den Vorarbeiten im Steinbruch und mit dem Errichten eines Zeltlagers auf dem damaligen Sportplatz Eselswiese (heute Parkhaus), unterhalb der Festung Königstein. Ein Außenlager des KZ Flossenbürg (Bayern) entstand.

Die rund 1000 Häftlinge, welche seit dem Herbst 1944 hier leben mussten, begannen mit den Arbeiten in Strand und dem Bau eines Barackenlagers im Wald gegenüber der Einfahrt zur Festung. Die Lager erhielten den Decknamen „Orion“; das Bauvorhaben in der Kirchleite die Bezeichnung „Schwalbe II“.

Ebenfalls beim Stollenbau eingesetzt waren Kriegsgefangene aus Weißig und von der Sellnitz unterhalb des Liliensteins.

Sonderheft des Festungsvereins

Sonderheft über Orion des Festungsvereins Königstein Sächsische Schweiz.

Sonderheft über Orion des Festungsvereins Königstein Sächsische Schweiz.

Wer mehr Informationen zum Thema haben möchte, das Sonderheft „Orion“ des Festungsverein Königstein e.V. bietet sie.

Das Heft wird, wie alle anderen Publikationen des Festungsvereins, auf der Festung im Museumsshop verkauft.

Fotografien zeigen die baulichen Reste beim Parkhaus Festung Königstein oder aber rechts und links neben der Bahnstrecke bei Strand.

Heute ist die unfertige Stollenanlage ohne Nutzung. Nur der Königsteiner Schützenverein betreibt hier seit 1993 einen modernen Schießstand.

 

Danke für die Einsendung!

Wir bedanken uns bei Mario Bauch für die Einsendung des Textes.

Mario Bauch.

Mario Bauch.

Über den Autor: Geboren bin ich 1975, aufgewachsen auf der Festung Königstein und in Bielatal. Dort bin ich auch zur Schule gegangen, habe in Pirna den Beruf des Vermessungstechnikers erlernt und in Dresden ein Studium als Vermessungsingenieur (FH) abgeschlossen. Ich arbeite heute als Teamleiter der Museen in Pillnitz und engagiere mich neben meiner Stadtratsarbeit in zwei Vereinen im Vorstand.

Diese einmaligen Bauwerke findet man noch in insgesamt 19 von 26 Städten und Gemeinden.

Sie gehören zu einem baugeschichtlichen Erinnerungsstück und sind damals in der Region durch verschiedene Verbindungen des slawischen Blockbohlenhaus ist mit dem dynamischen Fachwerkhaus entstanden.

Die größte räumliche Dichte der Umgebindehäuser findet man in der Oberlausitz, sowie den angrenzenden Regionen von Polen und Tschechien.

Damals war das Verbreitungsgebiet aber viel größer und umfangreicher und ging sogar von Thüringen aus über das Vogtland bis hin zum Erzgebirge bis nach Nordböhmen und sogar bis nach Schlesien. In den Jahren 1500 bis 1900 wurden Häuser vorzugsweise auf diese Art errichtet.

 

Woher stammen die Umgebindehäuser in der Sächsischen Schweiz?

Selbst heute findet man in manchen Regionen noch einige Gebäude aus dieser Zeit, die erhalten geblieben sind.

Niemand weiß so recht, wie die Umgebinde Bauweise überhaupt entstanden ist. Was jedoch auf jeden Fall klargestellt wurde ist, dass die Webereien, die in der Lausitz vermehrt aufgekommen sind, keinerlei Verantwortung für die Existenz der Umgebindehäuser trägt.

Diese Häuser waren definitiv schon vorher da.

 

Umgebindehaus in der Sächsischen Schweiz: Man findet sie auch heute noch.

Umgebindehaus in der Sächsischen Schweiz: Man findet sie auch heute noch.

 

Die Bauweise der Umgebindehäuser

In der Regel besteht ein sogenanntes Umgebindehaus aus mindestens zwei unabhängigen Baukörpern. Es gibt eine sogenannte Blockstube, die innerhalb des Hauses mit einer eigenständigen Gründung und einer eigenen Wand und Decke besteht.

Um diese sogenannte Blockstube herum wurde dann ein Werk aus Ständern errichtet. Dieses „umbindet“ die Blockstube und leitet eine Fachwerkbauweise über das Obergeschoss und die Dachlasten auf den Baugrund hinunter.

 

Schutz der Umgebindehäuser

Man sagt, das ganz einfache Handwerker aus dem Dorf diesen Baustil selbständig entwickelt und durchgeführt haben. Damit man die sogenannte Volks-Bauweise, die besonders einzigartig ist, auch bewahren kann, hat sich bereits im Jahr 2003 ein Kooperationsverbund gebildet, der grenzüberschreitend agiert und sich das „Umgebindeland“ nennt.

Infolge diesen Zusammenschlusses wurden verschiedene Alternativen geschaffen, um Projekte und auch verschiedene Aktionen zum Erhalt der Umgebindehäuser zu schaffen. Wer mehr zu diesen Aktionen erfahren möchte, kann sich unter www.umgebindeland.de darüber informieren.

 

Statistiken

In den Jahren 2004 und 2005 wurde eine bestand Erfassung der gesamten Umgebindehäuser für den Landkreis der Sächsischen Schweiz durchgeführt. Man konnte in einer Datenbank der Umgebindehäuser die Darstellung zusammenfassend betrachten.

Insgesamt wurden 274 Umgebindehäuser im Landkreis gezählt.

  • Davon waren insgesamt 89 vollständige Umgebindehäuser mit Blockstube und Umgebinde.
  • 89 Häuser, 32,5 %, waren als vollständige Umgebindehäuser mit Blockstube und Umgebinde:
  • 190 saniert oder teilsaniert, was 69,4% ausmacht.
  • Von den 274 Häusern insgesamt waren 35 beschädigt oder sogar stark beschädigt, was ein Prozentsatz von 12,8 ausmacht.

In der gesamten Zeit wurden verschiedene und sogar regional unterschiedliche Bauweisen und Formen von Bauten ausgebildet, welche den Gästen und Interessierten immer wieder neue Einblicke in die verschiedenen Lebensgewohnheiten der damals lebenden Menschen geboten haben.

Die größten Besonderheiten liegen in der Umgebindehaus-Gestaltung im oberen Elbtal. Hier gibt es z.B. Bauarten aus Umgebindesäulen, die aus Sandstein bestehen oder auch Fußbandkonstruktionen, die zur Aussteifung der Umgebindekonstruktion dienten.